Gebrauchshunde sind cool!

Julia möchte einen Hund. Aber nicht irgendeinen Hund. Julia möchte einen Dobermann (wahlweise setzen Sie hier eine andere typische Gebrauchshundrasse ein). 
Julia ist eine ganz normale junge Frau die seit 3 Jahren mit ihrem Freund Dennis zusammen wohnt. Sie haben den Entschluss gefasst, einen Hund bei sich aufzunehmen und es soll eben ein Dobermann sein. Weil Dobermänner schön sind, gelehrig und so wunderbar sportlich. 
Julia hat einen Züchter gefunden, sich schon mal einen Welpen reserviert. 
Wir spuhlen mal in Zeitraffer ein wenig vor und halten an exponentiellen Stellen zusammenfassend an.

Der Welpe "Dexter" zog mit 8 Wochen ein. War mit 3 Monaten noch nicht stubenrein, was Julia hin und wieder leicht verärgerte. 
Julia klagte auch über blaue Flecke an Händen oder Armen, da Dexter diese unheimlich gern als Spielzeug oder zum Frustabbau missbrauchte. 
Aber war ja nicht so schlimm und Dexter noch klein. Das Verhalten verwächst sich. 

Dexter ist jetzt 11 Monate alt und hat sich letzten Freitag mit Beagle Hündin Valerie wegen einem Ball gefetzt. Valerie trug eine kleine Macke im Ohr davon. 
Julia ist ein bisschen enttäuscht. Sie wird Dexter nun versuchen zu erklären, dass man sich wegen einem Stock nicht streiten muss, denn andere Hunde sind was tolles. 
Allerdings ist Julia nun etwas nervös und überlässt solche Begegnungen nun ihrem Freund Dennis. Schließlich hat Dexter auch mittlerweile 33kg und somit ordentlich Kraft. 

Dennis geht mit Dexter spazieren. Sie treffen auf einen anderen Hund und Dexter beginnt bereits an der Leine zu stänkern. 
Kompetente Menschen in einem virtuellen Forum haben ihnen geraten "Nein!" zu sagen und einfach umzudrehen. 
Dennis versucht genau so sein Glück, Dexter wird in seinem Vorhaben dadurch blockiert und plötzlich packt Dexter kurz dem Dennis ins Bein. Dennis schreit kurz auf, reißt Dexter hoch und beendet seinen Spaziergang plötzlich. 
Zuhause sieht sich Julia gemeinsam mit Dennis die Wunde an während Dexter in sein Körbchen zitiert worden ist.
Sein Oberschenkel blutet und Dennis hat ein Loch im Bein. In den weiteren Tagen schimmert es zusätzlich in einer wunderbaren Kombination aus sämtlichen Farben. 

Julia und Dennis weichen nun anderen Hunden insoweit es irgendwie möglich ist aus um so eine Situation nicht mehr hervorzurufen.

Ein Vierteljahr später kommt die Schwiegermutter von Dennis zu Besuch. Alle sitzen gemeinsam in der Küche, unterhalten sich, bis Birgit (Dennis' Schwiegermutter) plötzlich aufspringt, weil sie Julia noch unbedingt etwas zeigen wollte, was sie allerdings im Auto vergessen hat. 
Dexter springt einen Sekundenbruchteil nach Birgit auf, positioniert sich vor Birgit und bellt sie forsch an. 

Julia und Dennis haben Angst, das solche Situationen sich mal zuspitzen und haben das Loch in Dennis' Bein immer noch nicht vergessen.

Sie entschließen sich, Dexter abzugeben. In "Dobermann erfahrene Hände", denn eigentlich ist Dexter ja ein lieber Hund. 

Zugegeben,... ich kenne weder eine Julia, noch einen Dennis, einen Dexter erst recht nicht und auch keine Birgit. 
Aber die obige "Geschichte" soll einfach Beispielhaft dafür stehen, wie es, leider, in vielen Fällen aussieht. In Fällen, wo sich unbedarfte Menschen einen Gebrauchshund als Familienhund aussuchen. 

Es hätte selbstverständlich noch ganz anders laufen können, sich anders zuspitzen können oder noch Kinder involviert sein. 
Wie dem auch sei. Solche Geschichten sind definitiv kein Einzelfall wie ich leider immer wieder sehe. 

Aber warum? Warum werden Dobermann, Malinois, DSH (primär Leistungszucht), Herder und Co. so häufig wieder abgegeben im Alter von etwa 1-3 Jahren?

Ganz einfach. Weil diese Hunde zwar wundervolle Familienhunde sein KÖNNEN, aber es nur unter entsprechender Führung und Auslastung sind.
Das bedeutet nicht, dass es einem Dexter genügt, wenn er 2x in der Woche mit Julia joggen geht. Das bedeutet nicht, dass es einem Dexter genügt, wenn er mal den Futterbeutel suchen gehen darf. 

Einen Gebrauchshund bei sich aufzuziehen oder zu führen bedeutet konsequente Regeln, ein entsprechendes Vorwissen im Bezug auf ursprünglichen Verwendungszweck, die Grundregeln des Sozialverhaltens unter Caniden zu kennen und es bedeutet trotz alle dem, das Individuum zu sehen und aus all dem die Handlungsmotivationen seines Hundes in den entsprechenden Situationen ermitteln zu können. 
Mindestens muss man akut jemanden haben, bei sich in der Nähe, der Kenntnisse darin besitzt und einem entsprechend unter die Arme greifen kann. 

Nein, simple Konsequenz und Ball spielen genügt eben nicht. 

Tatsächlich sollte man sich als zukünftiger Besitzer bewusst sein, dass man ggf. vom Gebrauchshund mit starkem Beuteverhalten konfrontiert wird. Dass Futter und sämtliche andere Ressourcen mit großem Willen gegen Fremde, Artgenossen oder den Halter selber verteidigt werden.
Dass Passanten oder Besuch mal vom eigenen Hund vermeindlich urplötzlich (im besten Fall "nur") gestellt werden. 
Warum? Weil der Hund für sich eigenständig Situationen im Leben durchaus häufig anders bewertet als wir Menschen diese Situationen bewerten würden. So kann ein aufgeregter Passant, der uns die Hand reicht für den Hund ein "potentiell übergriffig werdender Fremder sein, der seinem geliebten Herren ans Leder will." und dementsprechend fängt der Hund dann an zu handeln und zu regeln. 

Man sollte wissen, dass man mit dem Gebrauchshund einen Hund hat, der in diversen Bereichen hoch motiviert ist sein Ziel zu erreichen und diese "Triebigkeit" man erst einmal angemessen erkennen sowie umzulenken muss. 
Man sollte wissen, dass eine "Triebzielverweigerung" (dem Hund die Handlung verwehren, die er ausüben möchte, wie z.B. den Hasen jagen, einen anderen Hund vermöbeln usw.) Frust aufbaut und sich jener schlagartig in sämtliche Richtungen und Art und Weisen entladen kann (wie Dexter, der seinem Dennis ins Bein gehackt hat). 

Gebrauchshunde wurden jahrelang gezüchtet um einen wichtigen Job für den Menschen zuverlässig zu erledigen. Herden hüten, den Herren/Haus und Hof verteidigen. 
Wenn solche Hunde damals leicht davon abzubringen wären, indem man einfach plump die Richtung wechselt ( ;) ) oder ein Stück Wurst hinwirft, hätten sie ihren "Job" niemals zuverlässig ausgeübt und ihre Besitzer wären unter Umständen ziemlich schnell Existenzlos. 

Ein Gebrauchshund ist ein Gebrauchshund. Ein toller Hund wenn man sich all seiner Stärken und Schwächen bewusst ist. 

Wenn man nur ab und zu mal joggen geht, sich nicht bewusst ist, dass Hunde Zähne haben und diese auch einsetzen (können) und das Resultat davon durchaus auch blutig sein kann, wenn man nicht weiß, was "klare Führung" bedeutet, wie man einen Hund rassespezifisch auslasten kann, wie man Handlungsmuster umlenkt und man einen Gebrauchshund möchte, weil die ja ganz cool sind, so viel lernen können und beim joggen mitkommen können und andere Menschen davor Respekt haben, sollte man sich wahrlich für eine andere Kategorie von Hund entscheiden. 

Damit wäre sehr vielen Hunden geholfen und auch diverse Halter würden sich viel Leid und Stress ersparen...

Verfasser unbekannt 

Einen Hund zu wollen... Einen Hund zu wollen bedeutet nicht nur den auszusuchen, der dir am besten gefällt, sein Aussehen oder die Rasse, einen Hund zu wollen bedeutet auch, dass du dir bewusst bist, dass du ihn einlädst, dein Leben, dein Haus, deinen Raum mit dir zu teilen, und dass er auch Bedürfnisse hat und oft deine Erwartungen nicht erfüllen wird. Einen Hund zu wollen bedeutet die Bereitschaft, ihn im Guten wie im Schlechten zu lieben, das Hundekind, den Erwachsenen oder die Oma, ihn zu lieben, wenn er bellt und Geduld mit ihm zu haben, weil er dir etwas sagen will. Ihn zu lieben, wenn er die Wand oder einen Stuhl anknabbert, wenn er rennt und nicht auf dich hört, weil er seine freie und spielerische Natur ausdrückt; ihn zum Arzt zu bringen, weil er krank ist oder sich verletzt hat. Ihm angemessenes Essen zu geben; nicht, das was übrig ist, sondern das, was wirklich für ihn ist; verstehen, dass ein Hund auch Vorlieben oder Abneigungen hat, und dass das, was du von ihm erwartet hast, vielleicht nicht kompatibel mit dem ist, was er in Wirklichkeit ist. Einen Hund zu wollen ist keine Frage des Wollens oder Wünschens oder Ersehens oder Erträumens. Einen Hund zu wollen ist zu verstehen, dass du nicht nur „einen Hund“ haben wirst – weder eine Sache noch ein Eigentum - , sondern ein einzigartiges Individuum, das mit dir zusammen ist und sein Leben mit dir teilt, freiwillig und mit eigenem Seinsgrund. Einen Hund zu wollen bedeutet aufzuhören, von wollen und mögen zu sprechen, und wirklich lieben zu lernen. Einen Hund zu wollen bedeutet, ihn zu beobachten, ihn wahrzunehmen, ihn entscheiden zu lassen, ihn wachsen zu lassen, ihn sich ausdrücken lassen, ihm zu ermöglichen, seinen Pfotenabdruck in dieser Welt zu hinterlassen. Einen Hund zu wollen ist anzuerkennen, dass er einer Tierart angehört, die anders als deine ist, und deswegen andere Bedürfnisse und Besonderheiten hat: Rennen im Freien, an allem riechen während er vorbeigeht, die Welt entdecken, kennenlernen und spielen mit anderen Hunden. Er wird Angst haben, Unsicherheit, Wut, Frustration, Freude, Vorlieben, Freundschaften, Trauer, Verluste, Schmerzen, Müdigkeit, Hunger, Spaß, Freude daran, jeden Morgen an deiner Seite aufzuwachen, Dankbarkeit und Liebe … viel Liebe. Einen Hund zu wollen ist Verpflichtung alle Tage seines Lebens, weil er von dir abhängig ist und weil du alles bist, was er hat. Einen Hund zu wollen heißt, bereit zu sein, die Lektionen zu entdecken und zu akzeptieren, die zu lehren er in dein Leben gekommen ist; denn wenn du einen Hund liebst, dann weißt du, dass er es war, der es geplant hat, zu dir zu kommen, um dir dabei zu helfen, dich wieder mit dem Leben zu verbinden, mit dem Jetzt, mit der Sonne, dem Mond und den Sternen, mit den Pflanzen, mit dem Himmel, mit der Luft und den Bergen, aber vor allem... dich wieder mit deinem Herzen zu verbinden. ( Verfasser unbekannt) .